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Zersiedelungsinitiative – Unterstützung in Zentren und lateinischer Schweiz

Abstimmungsergebnis «Zersiedelungsinitiative»
Stände (0/26)
Volk (36.3 % Ja)
Quelle: BFS/Abstimmungsstatistik, 2019.

Die von den jungen Grünen eingereichte Volksinitiative «Zersiedelung stoppen – für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung (Zersiedelungsinitative)» wollte die Gesamtfläche der Bauzonen in der Schweiz auf dem heutigen Stand einfrieren. Neue Bauzonen wären nur erlaubt worden, wenn andernorts mindestens gleich grosse Flächen aufgehoben worden wären. Ferner sollte die Siedlungsentwicklung nach innen gefördert werden. Zu den Befürwortern gehörten neben den Grünen und der SP auch Umweltschutzverbände, die Kleinbauern sowie der VCS. Die bürgerlichen Parteien sowie die wichtigsten Wirtschaftsverbände waren gegen die Vorlage.

Das Anliegen ist am 10. Februar 2019 deutlich an der Urne sowohl am Stände- wie auch am Volksmehr gescheitert. Es fand bei keinem Kanton eine Mehrheit und nur 36.3 Prozent der Stimmbevölkerung stimmten der Initiative zu.

Abstimmungsergebnis «Zersiedelungsinitiative» nach Gemeinden
Ja-Anteile und Stimmbeteiligungen in Prozent
Quelle: BFS/Abstimmungsstatistik, 2019.

Besonders hoch war die Ablehnung in der südlichen Genferseeregion (Kanton Wallis), der Zentralschweiz und in der Südostschweiz (Kanton Graubünden). Etwas mehr Unterstützung fand das Anliegen in den Regionen Zürich, Nordost- und Nordwestschweiz. Am stärksten unterstützt wurde die Initiative südlich der Alpen sowie im Norden des Espace Mittellands und der nördlichen Genferseeregion.

Die Vorlage fand besonders in Ballungszentren Unterstützung. Von den zehn grössten Städten wurde die Initiative in drei Städten knapp angenommen (Genf: 52,1 %, Lausanne: 50,9 %, Biel: 50,4 %). In Zürich und Bern wurde sie mit 49,5 bzw. 49,3 Prozent knapp abgelehnt. Am geringsten war die Zustimmung mit 41,8 Prozent in Lugano. Mit 73,4 Prozent war die höchste Zustimmung in der Gemeinde Eschert (Kanton Bern), die niedrigste mit 5,6 Prozent in Lohn (Kanton Graubünden).

Abstimmungsergebnis «Zersiedelungsinitiative» in den 10 grössten Städten
Ja-Anteile und Stimmbeteiligungen in Prozent
Quelle: BFS/Abstimmungsstatistik, 2019.

Wie aufgrund des Inhalts der Vorlage zu erwarten war, wurde das Ergebnis massgeblich durch die Konfliktlinie Zentrum-Peripherie geprägt. Die Zustimmung zur Vorlage nahm mit ansteigender Urbanisierung signifikant zu. Verglichen mit den ländlichen Regionen um 0,6 Prozent in den Kleinagglomerationen, um 1,1 Prozent in den Gürtelgemeinden und um 2,4 Prozent in den Kerngemeinden. Umgekehrt verhielt es sich bei der Veränderung der Siedlungsfläche. Pro Anstieg der Siedlungsfläche um durchschnittlich 1 Prozent sank die Zustimmung zur Vorlage um 1,3 Prozent.

«Zersiedelungsinitiative» - Indikatoreneinfluss auf das Abstimmungsergebnis
Mehrebenenanlyse (Random intercept Regression)
Quelle: BFS/ESTV, 2019. Modell: Laurens Abu-Talib.

Während die Konfession bei dieser Abstimmung keine Rolle spielte, zeigten sich deutliche Unterschiede auf der politischen Links-Rechts-Achse. In Gemeinden mit linken Mehrheiten war die Zustimmung um 2,5 Prozent höher, wogegen in bürgerlich dominierten Gemeinden die Zustimmung um 2,3 bis 2,7 Prozent geringer ausfiel. Einen besonders hohen Einfluss scheint die kulturelle Zugehörigkeit gespielt zu haben. Während in der deutschen Schweiz andere Gründe eine grössere Rolle zu spielen scheinen, fand die Initiative in der französischen und italienischen Schweiz eine um fast 8 Prozent höhere Zustimmung. Die einzigen demographischen Indikatoren mit Einfluss auf das Abstimmungsergebnis waren der aktuelle Anteil Ausländer (+2,6 %) und die aktuelle Bevölkerungsdichte (+1 %). Die Geschlechts- und Altersstruktur sowie die wirtschaftliche Situation hatten keinen signifikanten Einfluss.